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    Stipendiat trifft Würzburger Nobelpreisträger

    25.07.2017

    Erstmals seit Jahrzehnten war wieder ein Wissenschaftler aus dem Kongo auf der Nobelpreisträgertagung in Lindau vertreten: der Würzburger Chemie-Doktorand Blaise Kimbadi Lombe. Das dürfte als weiterer Erfolg des Exzellenzstipendien-Programms BEBUC zu werten sein.

    Chemie-Doktorand Blaise Kimbadi Lombe mit Nobelpreisträger Klaus von Klitzing (Physik 1985) …

    Die Nobelpreisträgertagung in Lindau hat bei ihm tiefen Eindruck hinterlassen: Wenn Kimbadi Lombe davon erzählt, ist ihm die Begeisterung deutlich anzumerken. Die Atmosphäre auf der Tagung, mit fast 30 Nobelpreisträgern, empfand er als offen und kommunikativ. Stolz berichtet er, dass er auch drei Nobelpreisträger kennengelernt hat, die früher an der Uni Würzburg geforscht haben: „Klaus von Klitzing, Harald zur Hausen und Hartmut Michel.“

    Eine besondere Erfahrung war es für ihn, nicht nur mit solch hochkarätigen Wissenschaftlern zu diskutieren, sondern auch mit vielen herausragenden jungen Forschern von allen Kontinenten. In Lindau waren 420 Studierende, Promovierende und Post-Docs der Chemie aus rund 80 Ländern vertreten. „Mit Kollegen aus Ungarn und Deutschland habe ich sogar über mögliche Forschungskooperationen gesprochen“, sagt der Würzburger Doktorand.

    Naturstoffe mit Potenzial gegen Malaria

    Blaise Kimbadi Lombe (29) stammt aus dem Kongo und macht seine Doktorarbeit in der Organischen Chemie bei Professor Gerhard Bringmann. Er untersucht komplex aufgebaute Naturstoffe aus einer tropischen Liane der Gattung Ancistrocladus, die sich als Medikamente eignen könnten.

    Im Verlauf seiner Arbeit hat er bereits mehrere neue Wirkstoffe aus der Pflanze isoliert und ihre chemischen Strukturen charakterisiert; einige davon haben sich in ersten Tests als aktiv gegen den Erreger der Malaria erwiesen. Bei seiner Dissertation wird der junge Chemiker vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit einem Stipendium gefördert.

    Förderung durch BEBUC von Anfang an

    Dank seiner stets glänzenden Leistungen wird Kimbadi Lombe schon seit seinem dritten Studienjahr gefördert: „Ich bin ein Kind von BEBUC! Seit über neun Jahren, ab April 2008, werde ich aus dem Programm unterstützt“, sagt er. Als Bachelor-Student im Kongo war er einer der ersten vier BEBUC-Stipendiaten und damals auch ihr erster demokratisch gewählter Sprecher.

    BEBUC ist ein Exzellenzstipendien-Programm, das aktuell rund 190 herausragende junge Kongolesen an Schulen und Universitäten bei ihrer Karriere fördert, bis zur Professur. Etabliert wurde das Programm 2008 von Gerhard Bringmann und Virima Mudogo, einem Chemiker und Alumnus der Universität Würzburg. Derzeit ist Mudogo Professor an der Universität Kinshasa. BEBUC wird vom Förderverein Uni Kinshasa e.V. (fUNIKIN) getragen und vor allem von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung finanziert.

    Beitrag zum Wiederaufbau des Kongo

    Das Förderprogramm BEBUC will einen Beitrag zum Wiederaufbau des Kongo leisten. Drei Bürgerkriege in den vergangenen 20 Jahren haben auch die früher exzellenten Universitäten des Landes stark in Mitleidenschaft gezogen. „Schlimmer noch als der bauliche Zustand ist die Überalterung der Professorenschaft. Der wissenschaftliche Nachwuchs sieht keine Perspektive und wählt oft den Weg ins Ausland. Diesen Teufelskreis wollen wir durchbrechen“, so Bringmann.

    Dazu will auch Blaise Kimbadi Lombe seinen Beitrag leisten. 2018 wird er mit seiner Doktorarbeit fertig sein. „Danach will ich in meiner Heimat Professor werden“, sagt er. Studierende unterrichten und fördern, international vernetzt forschen, die Situation im Kongo verbessern helfen – darauf will er seine Energie verwenden.

    Keine kongolesischen Spuren in Lindau gefunden

    Wie stark die kongolesischen Universitäten gelitten haben, wurde auch in Lindau deutlich. Kimbadi Lombe hat von den Veranstaltern erfahren, dass in der Datenbank der Tagungsteilnehmer kein einziger Wissenschaftler aus dem Kongo verzeichnet ist.

    Und auch jetzt war Kimbadi Lombe der einzige Kongolese unter den 34 Teilnehmern aus Afrika, die zu der renommierten Tagung eingeladen waren. Den Würzburger Doktoranden hatte die Afrikanische Akademie der Wissenschaften für die Lindau-Tagung nominiert – auf Initiative von Professor Bringmann, der gewähltes Mitglied der Akademie ist.

    Zur Person: Blaise Kimbadi Lombe

    Geboren wurde Blaise Kimbadi Lombe 1988 in der Stadt Kabinda in der Demokratischen Republik Kongo – damals hieß das Land noch „Zaïre“. Zum Studium der Chemie ging er in die Hauptstadt, an die Universität von Kinshasa. Dort machte er, gefördert durch BEBUC, seinen Bachelor- und Master-Abschluss. 2014 kam er zur Doktorarbeit im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 630 „Neue Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten“ an die Universität Würzburg.

    Weblinks

    Arbeitsgruppe von Professor Gerhard Bringmann

    Bericht der Universität Würzburg vom April 2017 über die BEBUC-Aktivitäten

    Förderverein Uni Kinshasa e.V. (fUNIKIN)

    Ein zweiter Doktorand, aus der Anorganik

    Als zweiter Würzburger Chemie-Doktorand war Jens Sorg aus dem Arbeitskreis von Professor Klaus Müller-Buschbaum auf der Nobelpreisträgertagung. Er hat seine Eindrücke bereits in der einBLICK-Ausgabe vom 18. Juli 2017 geschildert.

    Bericht über Jens Sorg

    Fakten zur Nobelpreisträgertagung 2017

    Die 67. Lindauer Nobelpreisträgertagung fand vom 25. bis zum 30. Juni 2017 statt. Die eingeladenen Studierenden, Promovierenden und Post-Docs hatten ein mehrstufiges internationales Auswahlverfahren zu durchlaufen. 155 Wissenschaftsakademien, Universitäten, Stiftungen und forschende Unternehmen beteiligten sich daran.

    Auch in diesem Jahr war es besonders schwer, mit seiner Bewerbung erfolgreich zu sein: Erneut konnten nur gut 400 statt wie sonst 600 Teilnehmer kommen. Der Grund dafür: Der übliche Ort des Treffens, die Lindauer Inselhalle, wird saniert. Darum lief die Tagung im räumlich viel kleineren Stadttheater ab.

    Website der Nobelpreisträgertagung: www.lindau-nobel.org

    Von Pressestelle

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